{"id":88,"date":"2014-03-13T10:54:44","date_gmt":"2014-03-13T11:54:44","guid":{"rendered":"http:\/\/franziska-wagenknecht.de\/?page_id=88"},"modified":"2014-03-13T10:54:44","modified_gmt":"2014-03-13T11:54:44","slug":"kommentar-der-kauf-nix-tag","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/franziska-wagenknecht.de\/?page_id=88","title":{"rendered":"Kommentar: Der Kauf-nix-Tag"},"content":{"rendered":"<p>Den 24-st\u00fcndigen Konsumverzicht gibt es seit 1992. Ins Leben gerufen wurde die Aktion wohl von einer kanadischen Werbeagentur. In Deutschland wird der Tag unter anderem vom Konsumnetz AG sowie dem Netzwerk Attac organisiert.<\/p>\n<p>Unser Konsumverhalten hat sich in den letzten Jahrzehnten stark ver\u00e4ndert: Ehemalige Luxusg\u00fcter sind im Discounthandel zu verf\u00fchrerisch g\u00fcnstigen Preisen zu haben. Gro\u00dfbildfernseher, PCs oder Fahrr\u00e4der sind bei Aldi und Lidl genauso st\u00e4ndig und beil\u00e4ufig verf\u00fcgbar wie Butter und Wurstwaren. Dank Online-Kaufh\u00e4usern vermiest uns kein l\u00e4stiger Ladenschluss die Einkaufslaune. Rund um die Uhr empf\u00e4ngt einen die wohlige W\u00e4rme des flimmernden Computerbildschirms, wo in diversen Online-Shops\u00a0 die neuesten Taschen, Schuhe, Accessoires und Klamotten feilgeboten werden. Immer und \u00fcberall. 24 Stunden am Tag Konsum. Wie mag es sein, 24 Stunden lang damit aufzuh\u00f6ren?<\/p>\n<p>Nicht ganz zuf\u00e4llig markiert der letzte Samstag im November nicht nur den, leider wenig beachteten Kauf-Nix-Tag, sondern auch eines der ersten umsatzstarken Vorweihnachtswochenenden. In Nordamerika wurde der Kauf-Nix-Tag sogar auf den umsatzst\u00e4rksten Tag des Jahres gelegt, den so genannten &#8220;Black Friday&#8221;. An diesem Tag locken alle Gesch\u00e4fte mit satten Rabatten, was nicht selten zu erbitterten K\u00e4mpfen in den L\u00e4den und Servercrashs in Online-Shops f\u00fchrt. Da f\u00e4llt den Kauf-Nix-Teilnehmern der Konsumverzicht nat\u00fcrlich besonders schwer. Daher l\u00e4sst auch die Beteiligung meist zu w\u00fcnschen \u00fcbrig.<\/p>\n<p>Dass ausgerechnet dieses Datum f\u00fcr den Tag des Konsumverzichts gew\u00e4hlt wurde, hat Sinn: Gerade die vorweihnachtliche Stimmung besteht nicht mehr aus Besinnlichkeit und N\u00e4chstenliebe sondern ist zu einer wahren Materialschlacht pervertiert. Statt mit den Liebsten um den Adventskranz zu sitzen und Gl\u00fchwein zu schl\u00fcrfen, stehen die meisten in ihren dicken Winterjacke schwitzend, bepackt mit materiellen Liebesbekundungen f\u00fcr Familie und Freunde, an der schier unendlich langen Kassenschlange im \u00fcberheizten Kaufhaus.<\/p>\n<h4>Ein ganzer Tag ohne Einkaufen?<\/h4>\n<p>Doch was haben wir davon, uns einen schn\u00f6den Tag lang dem Konsum zu verweigern? Schiebt man damit seine Eink\u00e4ufe nicht einfach nur auf? Das mag schon sein. Dennoch kann man auch versuchen, diesen Tag als Chance zu sehen, sich \u00fcber sein eigenes Konsumverhalten Gedanken zu machen. Schon mal probiert, einen ganzen Tag lang nichts zu kaufen? Klingt einfach, ist es aber nicht. Keinen Coffee-to-go auf dem Weg zur Arbeit, kein U-Bahn Ticket, keine Nussschnecke zum Fr\u00fchst\u00fcck, kein Mittagessen in der Kantine, keine Eink\u00e4ufe auf dem Heimweg, keine Pizza vom Bestellservice zum Abendessen, kein Bier in der Kneipe, kein Kino mit Freunden, kein n\u00e4chtliches Shoppen im Internet.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich wird man sich dar\u00fcber klar, wie viel Zeug man eigentlich an einem einzigen Tag konsumiert, das irgendjemand vorher produziert haben muss. Konsum endet ja nicht am reinen Produkt. Hinzu kommen die Verpackung, die Infrastruktur, die Vertriebswege, die Werbung, die Ladeneinrichtung und so weiter und so fort.<\/p>\n<p>Konsumverzicht ist eng mit Nachhaltigkeit verwoben. Einem Wort, das wie ein moralisches Damoklesschwert \u00fcber unseren verw\u00f6hnten K\u00f6pfen h\u00e4ngt und uns daran erinnern soll, wie gut wir es haben und daran, dass es die Luft, die Ozonschicht, das Wasser und die W\u00e4lder sind, die die Zeche f\u00fcr unser Wohlbefinden zahlen.<\/p>\n<h4>Von Konsumenten und Produzenten<\/h4>\n<p>Wenn es um Nachhaltigkeit geht, gibt es noch andere Aspekte, die der Kauf-Nix-Tag anprangert. Und zwar die Produktions- und Handelsstrategien gro\u00dfer Konzerne und Finanzgruppen. Dass Menschen und Ressourcen dabei ausgebeutet werden, ist kein Geheimnis, wird aber nur allzu gerne im allt\u00e4glichen Leben vergessen, denn wer billig und aus einem gro\u00dfen Sortiment kaufen will, muss das in Kauf nehmen. Da bietet eine Aktion wie der Kauf-Nix-Tag doch die Gelegenheit, sich kritisch mit dem eigenen Konsumverhalten und Ressourcenverbrauch auseinandersetzen.<\/p>\n<p>Mit welcher Strategie k\u00f6nnte man versuchen, die Konsequenzen dieses Zustandes abzumildern und nachhaltiger zu Leben? Man k\u00f6nnte zum Beispiel mehr Kleidung im Second-Hand-Laden kaufen und daf\u00fcr seine alte Kleidung verkaufen. Die Sachen, die man nicht mehr tragen m\u00f6chte sind nicht zwangsl\u00e4ufig abgenutzt oder kaputt. Meistens entsprechen sie einfach nicht mehr dem aktuellen Geschmack.<\/p>\n<p>Warum neu produzieren wenn man die vorhandenen Dinge auch einfach tauschen kann? Weil Konsum die Wirtschaft ankurbelt? Produktion von G\u00fctern bedarf nicht nur Arbeitskraft, sondern auch Rohstoffen, Energie und Wasser. Und diese Dinge werden nicht gebraucht, sondern verbraucht oder verschmutzt. Und wozu? F\u00fcr Produkte, die h\u00e4ufig niemand ben\u00f6tigt, die aber den Markt \u00fcberschwemmen und um dennoch Abnehmer zu finden, billig sein m\u00fcssen. Die einzige Stellschraube, an der weiter und weiter nach unten gedreht werden kann, ist die Entlohnung f\u00fcr Arbeitskraft. Das Ergebnis sind viel zu viele, billig hergestellte Produkte, knapper werdende Ressourcen und immer mehr Menschen in prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnissen. Konsum l\u00f6st global keine Probleme solange dabei Ressourcen aufgebraucht werden und Menschen verarmen. Dann ist n\u00e4mlich bald Schluss mit Konsum und einer funktionierenden Wirtschaft.<\/p>\n<p>Ein besserer Umgang mit Lebensmitteln ist eine weitere M\u00f6glichkeit, bewusster und nachhaltiger mit G\u00fctern und Ressourcen umzugehen. Ern\u00e4hrung ist mittlerweile mehr als blo\u00df essen und trinken, um nicht zu verhungern oder zu verdursten. Es ist eher zu einem Lebensstil geworden. Wer gesund leben will, setzt auf Bio, wer ein bisschen Luxus haben will, auf Kaviar und Rinderfilet. Schlussendlich kann man sich aber \u00fcberlegen, ob man Lebensmitteln den gleichen Stellwert wie jedem anderen beliebigen Konsumgut geben m\u00f6chte. Oder ob man ein klein wenig Respekt vor denjenigen, die m\u00fchevoll Felder abernten, und vor den Tieren, die mit ihrem Leben f\u00fcr unser Salamibr\u00f6tchen bezahlen, aufbringen m\u00f6chte. Auch hier bietet der Kauf-Nix-Tag Gelegenheit, sich zweimal zu \u00fcberlegen ob man die Spaghetti von gestern wegschmei\u00dfen m\u00f6chte, nur weil man eher Lust auf Schnitzel mit Pommes hat.<\/p>\n<p>Sich einen Tag lang dem Konsum verweigern, ist das die L\u00f6sung f\u00fcr den \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Konsum, den die Aktion anprangert? Nat\u00fcrlich nicht. Ziel des Kauf-Nix-Tages ist es auch nicht, die Welt auf einen Schlag in ein Utopia zu verwandeln, in dem Firmen und Produzenten fair, nachhaltig und human produzieren, niemand etwas wegschmei\u00dft und auf der Welt keiner hungern muss. Es geht viel eher darum, sein eigenes Konsumverhalten zu \u00fcberdenken und bewusster damit umzugehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den 24-st\u00fcndigen Konsumverzicht gibt es seit 1992. Ins Leben gerufen wurde die Aktion wohl von einer kanadischen Werbeagentur. In Deutschland wird der Tag unter anderem vom Konsumnetz AG sowie dem Netzwerk Attac organisiert. Unser Konsumverhalten hat sich in den letzten Jahrzehnten stark ver\u00e4ndert: Ehemalige Luxusg\u00fcter sind im Discounthandel zu verf\u00fchrerisch g\u00fcnstigen Preisen zu haben. 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